Der neue Nachbar

„Nanu? Was ist denn das für ein Loch?“ wunderte ich mich vor kurzem als ich über unsere Rasenfläche lief. Und der nächste Gedanke war: „Auwei, das wird dem Monschder so gar nicht gefallen.“ Und der dritte Gedanke schockte mich, kaum dass er gedacht war: „Sch***e! Sind das Wühlmäuse?“

Ein genaueres Betrachten ließ den Schluss zu: „Zu klein für Wühlmäuse. Vielleicht Erdhummeln? Da ist doch dem Letzt erst so ein dicker Brummer rumgeflogen…“ Es gehen einem ja tausend Gedanken durch den Kopf wenn man vor einem Rätsel steht. Da ich das Loch nicht genauer identifizieren konnte, bin ich erstmal weiter um das zu tun was ich eigentlich ursprünglich auch tun wollte. Nur, beim zurücklaufen erneutes Stocken meinerseits: nicht ein, auch nicht zwei sondern drei dieser ominösen Löcher direkt nebeneinander. Innerlich habe ich mich ratlos am Kopf geratzt. „Was tun?“ sprach Zeus, „Erstmal gucken ob bewohnt“, antwortete mein inneres Mini-Me. Wir hatten noch einen Eimer Sand übrig. Den also geschnappt und den losen Sand bis zum Anschlag in die Löcher rieseln lassen.

Am Abend musste ich nochmal raus und siehe da: von den drei zugeschütteten Löchern waren zwei wieder freigebuddelt. JETZT wollte ich es wissen. Erneut den Sandeimer geholt. Loch eins zugeschüttet. Keine Reaktion. Loch zwei war noch zu, also angefangen Loch drei vorsichtig zu befüllen. Und siehe da: ein (leider ziemlich hässlicher) Bewohner kommt an den Eingang und guckt was da los ist. Leider viel zu schnell als dass ich ein Bild hätte machen können, war die Feldgrille schon wieder in den Tiefen ihrer Erdhöhle verschwunden.

„Und wie bringe ich DAS jetzt dem Monschder bei?“ fragte mich mein Mini-Me in Gedanken. „Ausgerechnet in SEINEM Rasen!“ Aber ob’s am schönen Wetter lag oder einfach weil er gerade sehr langmütig aufgelegt ist: die Grille darf bleiben wo sie ist. Eine Bedingung hat der Monschder allerdings an das Bleiberecht geknüpft: im Sommer hätten wir bitte gerne jeden Abend ein Grillen-Konzert.

Und der liebe Herr Grillerich (es stellte sich nämlich mittlerweile heraus, dass es tatsächlich ein Männchen sein muss) zirpt uns tatsächlich jeden Tag das Lied des Sommers. (Gut, über die unglaubliche Lautstärke können wir bei Gelegenheit nochmal sprechen, aber ich will ja nicht motzen.)

Anmerkung: Die Feldgrille (Gryllus campestris) liebt warme, sonnige und trockene Hänge, Wiesen und Kiesgruben. Die Tiere wohnen in selbstgegrabenen, 10 bis 20 cm tiefen und ca. 2 cm breiten Erdröhren. Zirpen können ausschließlich die Männchen. Das Zirpen einer Grille ist für Menschen bis zu 50 Meter weit zu hören. Sie sind Allesfresser, nehmen aber überwiegend pflanzliche Nahrung auf. Larven und Imagines ernähren sich von Blättern und Wurzeln verschiedener Pflanzen und Kräuter, fressen aber auch kleine Bodentiere und deren Kadaver. Die Feldgrille steht auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten.

Habt ihr auch schon mal mit so mysteriösen „Dingen“ zu tun gehabt?

Liebe Grüße,
Krümel

8 Antworten auf „Der neue Nachbar“

  1. Da wäre ich nie drauf gekommen, dass diese Löcher die Feldgrille gräbt, sehr interessant. Aber es freut mich, dass die Grillen bleiben dürfen, auch wenn sie dafür jetzt immer ein Konzert geben müssen.
    Der Text gefällt mir auch sehr gut, sehr schön geschrieben.
    Für mich war übrigens meine erste Begegnung mit einer Hornisse echt mysteriös. Ich musste sofort an Mutanten denken.
    Ich wünsche Dir noch eine schöne Woche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

    1. Hallo Wolfgang,
      das glaube ich Dir auf’s Wort. So eine ausgewachsene Hornisse ist ganz schön respekteinflößend! Ich habe da immer den Wunsch mich flach auf den Boden zu schmeißen, auch wenn ich weiß, dass die lieben „Kleinen“ eigentlich harmlos sind.
      Danke für das Kompliment 🙂

    1. Wir sind auch tierisch stolz. Gut, ok, ich bin stolz, der Monschder ist genervt. Herr Grille meint es WIRKLICH sehr gut mit uns und seinem Gesang. Ich wusste gar nicht wie laut die sein können wenn sie nur zwei Meter neben Dir sitzen und zirpen…. Irgendwas ist halt immer *lach*

    1. Hallo Karen,
      ich assoziiere Grille ja sofort mit Mittelmeer und Urlaub. Komisch, nicht wahr. Aber tatsächlich: Terrasse, Kerze, Wein und Grille – ein perfekter Samstagabend :-).

  2. Wow, ich hätte auch eher auf Erdhummeln getippt als auf eine Feldgrille! Wie großartig, dass ihr so ein Tierchen im Garten habt. Die Grille muss sich wohl ziemlich wohl fühlen bei euch 🙂
    Liebe Grüße
    Kathleen

    1. Hallo Kathleen,
      herzlich willkommen auf unserem Blog. Schön dass Du vorbei schaust.
      So toll ich es auch finde dass die Grille jetzt hier wohnt: wenn sie so weiter macht sieht unser Garten bald aus wie ein Schweizer Käse *lach*.

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