Gasthaus zum Krümelmonschder

Jedes Jahr um diese Jahreszeit geht die Diskussion erneut los: Vögel füttern ja/nein. Dass eine Winterfütterung mehr als Sinnvoll – ja mittlerweile sogar fast überlebensnotwendig ist, ist bei den Meisten angekommen. In Zeiten von durchdesignten Steingärten, Monokulturen und großräumiger Bodenversiegelung finden unsere gefiederten Freunde EBEN NICHT mehr genug Futter um im Winter gut über die Runden zu kommen.

Bisher habe ich immer die „normalen“ Meisenknödel raus gehängt, musste in den letzten beiden Jahren aber feststellen, dass diese immer weniger und irgendwann gar nicht mehr angenommen wurden. Also habe ich bereits letzten Winter angefangen, mit einer eigenen Mischung zu füttern. Diese bestand ganz simpel aus Haferflocken, Sonnenblumenkernen, Rosinen und ganzen Erdnüssen. Das war der Knaller! Ich kam fast nicht nach mit auffüllen. (Hanfsaat und Mohn waren auch enthalten, blieben aus Mangel an Interesse aber immer in der Schale zurück.)

Letztes Jahr noch schnöde im Blumentopfuntersetzer…

Da auf unserem Balkon jedes Jahr Meisen brüten, füttere ich seit zwei Jahren ganzjährig. Anfangs hatte ich einfach vergessen, das Futterhäuschen leer zu machen und als dann Papa und Mama Meise vom Angebot dankbar Gebrauch gemacht haben, habe ich die Ganzjahresfütterung beibehalten. Spannend war dabei zu sehen: TROTZDEM Meisenknödel direkt neben dem Nistkästchen hingen, wurden die Babys immer mit Frischfutter (Raupen, kleine Grashüpfer etc.) gefüttert. Das fertige Futter dienste ausschließlich den Elterntieren zur Nahrungsaufnahme. Nach dem Motto: „Wenn’s mal wieder schnell gehen muss.“ Ich muss mir also keine Gedanken machen, dass ich daran Schuld bin, dass der Vogelnachwuchs verfettet *grins*.

April 2018, die erste Brut von Ehepaar Meise

Dieses Jahr war aber alles anders: Die Balkonsanierung welche als zweiwöchiges Frühjahrsprojekt angedacht war, zog und zieht sich über das ganze Jahr. (Ein Drama – fragt nicht ). Deswegen hatten wir Ende April alles abgebaut – auch das Futterhaus – und bisher noch nicht wieder aufgestellt. Ab Ende Oktober allerdings konnten wir beobachten, dass immer wieder verwirrte Vögel bei uns auf dem Balkongeländer saßen und nach Futter Ausschau gehalten haben. Also gut, habe verstanden: Ab zum nächsten Gartencenter, Körner kaufen (das mir dabei noch eine tolle Zinkschale in die Hände fällt konnte ja keiner ahnen) und mit der bekannten und beliebten Mischung gefüllt.

Der Maître empfiehlt: Hirse, Erdnüsse und Rosinen!

Die Hoffnung war, dass der Balkon durch die hohe Zinkwanne dieses Jahr sauber bleibt. Tja, ….

Das war wohl nix….

Außerdem habe ich mich dieses Jahr zum ersten Mal an selbstgemachte Meisenknödel gewagt. (Auch wenn der Monschder die Augen verdreht und den Kopf geschüttelt hat.) Rezepte dazu gibt es wie Sand am Meer. Eigentlich wollte ich keinen Rindertalg nehmen. Vögel mit Rindertalg abspeisen finde ich ähnlich merkwürdig wie Kühe mit Fischmehl zu füttern. Trotzdem hatte ich mich mental dazu durchgerungen Rindertalg zu nutzen. Aber fragt mal ob ich das Zeug hier bekommen habe…. Die Antwort lautet: nein! Nicht mal meine Metzgerei im Ort sah sich im Stande, Rindertalg zu besorgen. Also habe ich doch Kokosfett genommen. Das ist zwar angeblich nicht so nahrhaft wie Rindertalg, aber: im Laden zu bekommen.

Das Rezept ist denkbar einfach: Kokosfett und Futtermischung im Verhältnis 1:1. Das Kokosfett langsam erhitzen. Wenn es gerade so flüssig ist, kommt die Futtermischung dazu: Haferflocken, Sonnenblumenkerne, Rosinen, Hirse und ein paar Cranberries (letztere eher für die Optik, mal gucken was die Feinschmecker dazu sagen werden). Erkalten lassen und dabei immer mal wieder umrühren, damit sich die Kerne nicht alle unten am Topfboden absetzen. Wenn die Masse streichbar ist kann sie z.B. in Keksausstecher gedrückt werden.

(Hoffentlich) Nicht nur was für’s Auge…

Ich habe Aussaattöpfe mit Frischhaltefolie ausgekleidet und einen alten Orchideenstab reingesteckt. Komplett auskühlen lassen und zack: schon hängen die ersten Exemplare in der Felsenbirne. Dazu gesellen sich ein paar selbstgemachte Erdnussringe. Alles in allem kein Hexenwerk. Mal gucken wie’s bei den Gästen ankommt und ob sie unser kleines „Gasthaus“ weiterempfehlen werden..

Viel Spaß beim Nachmachen wünscht
Krümel

11 Antworten auf „Gasthaus zum Krümelmonschder“

  1. Das sieht toll aus. Wir füttern aus ganzjährig, für uns ist es wichtig, die Vögel zu unterstützen. Allerdings finden sie bei uns wohl so viel Futter, dass sie auf unsere Futterstellen erst im Herbst und im Winter zurückgreifen. Wir sind nicht ganz so kreativ wie Du und verwenden Meisenknödel… Noch schmeckt es ihnen. LG

    1. Bei uns gibt es zwar auch noch viele Felder und auch einige natürliche Gärten, aber über zu wenig Besuch können wir uns trotzdem nicht beschweren. Rotkehlchen, Blau- und Kohlmeisen, Kleiber sind Dauergäste. Amsel, Spatz, Eichelhäher und Buntspecht gucken nur ab uns zu vorbei. Ich freu mich über jede Federkugel die bei mir vorbei hüpft 🙂
      Viele Grüße,
      Krümel

  2. Bei mir werden die Vögel auch ganzjährig gefüttert. Das Futter wird gut angenommen.
    Ich wollte auch schon immer mal Maisenringe selbst machen. Vielleicht wird es ja dieses Jahr mal was.
    Liebe Grüße und viel Spaß beim beobachten der Vögel
    Wiebke
    aus Kassel

    1. Hallo Wiebke,
      herzlich willkommen auf meinem Blog.
      Ja, das Beobachten ist immer sehr spannend. Mittlerweile frühstücken wir am Wochenende im Stehen vor dem Küchenfenster, weil wir vor lauter Rausgucken nicht zum hinsetzen kommen :-).
      Viele Grüße,
      Krümel

  3. Die Futterringe sind Klasse, das mache ich nach! Ich füttere hier ganzjährig und die Meisen danken es mir in der Vegetationsphase mit heftigem Ungeziefersammeln. Schlafplätze für lausige Zeiten gibt es hier auch, sogar Einzimmerappartments in den Gehäusen der Gartenpavillonleuchten (die nie in Betriebe sind).
    LG Karen

    1. Hallo Karen,
      mit den Schlafplätzen muss ich tatsächlich noch nachlegen. Außerdem will ich versuchen den Monschder zu überreden, für das nächste Frühjahr die Nistkästen aufzustocken. Mal schauen ob ich da Erfolg habe.
      Liebe Grüße,
      Krümel

  4. Toll, deine Futterringe….ich hatte mir schon Kokosfett besorgt und muss das jetzt mal in Angriff nehmen, wieder Futter selber zu machen. Rindertalg soll fester sein, aber mir sagt das auch nicht zu. Im Winter ist das sicher egal und das Futter bleibt hart. Das Streufutter mit Haferflocken landet bei mir im Vogelhäuschen, aber da fällt auch viel daneben.
    LG Sigrun

    1. Hallo Sigrun,
      Kokosfett klappt super. Man muss nur ein wenig Geduld haben (nicht so meine Stärke). Von flüssig zu fest dauert dann doch eine ganze Weile. Und bei Zimmertemperatur wird’s halt sehr schnell weich. Aber für draußen ist’s super.
      Liebe Grüße,
      Krümel

  5. Bei Dir gibt es ja ein reichhaltiges Vogel-Buffet. Hier kommen lediglich zwei Meisen ans Futterhaus. Ich weiß nicht, warum hier immer Flaute herrscht! Die beiden Meisen müssen aber immer lautstark auf sich aufmerksam machen! Haha…
    Viele Grüße von
    Margit

    1. Hallo Margit,
      Flaute hatte ich, solange ich das fertige Futter aus Gartencenter/Discounter angeboten habe. Da kam keine Sau – äh kein Vogel vorbei geflattert. Seit ich meine eigene Mischung anbiete ist hier ordentlich was geboten.
      Stimmt, die Meisen sind immer laut, aber besonders witzig finde ich das Rotkehlchen. Das sitzt immer in Angeberpose (rausgestreckte, aufgeplusterte Brust) auf dem Balkongeländer und macht einen auf dicken Max. Herrlich.
      Liebe Grüße,
      Krümel

  6. Mönsch, Deine Vögel werden ja verwöhnt.
    Hier hängen die normalen Meisenknödel, und da komme ich nicht mit dem Nachhängen nach…. Hier sind die Vögel nicht so wählerisch 🙂
    Aber sie bekommen ja auch nicht so Leckereien wie bei Dir.
    Gut, Erdnüsse habe ich auch und noch solche Fettstangen, aber die werden nur angeknabbert, wenn nichts anderes hängt.
    Jedenfalls schaut Dein Futter klasse aus.
    Lieben Gruß
    Nicole

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