Ein Plädoyer für den Gemüsegarten

„Die Zeit wäre mir echt zu schade. Das kostet im Laden doch fast nix.“
Oder
„Und das steht jetzt hier bis Mai rum? Das wäre mir echt zu blöd.“
Und gerne auch
„Dazu hab ich keinen Bock, das ist mir zu viel Aufwand.“

Gemüsegarten 2018

So oder so ähnlich haben sich viele unserer Freunde, Bekannten und teilweise auch Verwandten geäußert wenn die Rede auf unseren (zugegebenermaßen kleinen) Gemüsegarten kam. Ich bin mir sicher, diejenigen unter Euch die ebenfalls Gemüse anbauen, können ein Lied davon singen. Und tatsächlich: die Auswahl im Supermarkt ist (vermeintlich) größer, ich kriege übers Jahr hinweg immer alles und Kosten/Nutzen stehen in keiner Relation.

Doch stimmt das alles so? Ein Gedankenspiel

Hohe Anschaffungskosten
Ja, Saatgut, Erde und Dünger kosten Geld. Und das teilweise nicht mal so wenig. Richtig.
ABER: Mein Gemüse ist nicht gespritzt, wächst in hochwertiger Erde, wird nur mit Kompost und Hornspänen, nicht mit Chemie gedüngt. Mein Gemüse hat BIO-Qualität. Würde ich das in den Mengen die ich tatsächlich ernte vom Bio-Bauern kaufen, würde es mich unterm Strich gleich viel kosten.

Hoher Zeit- und Platzaufwand
Auch richtig. Setzen, gießen, umsetzen, düngen, ernten. Kostet alles Zeit. Zudem nehmen die Setzlingen im Februar und März tatsächlich einen beträchtlichen Teil der Wohnung ein. Das ist manchmal wirklich etwas umständlich.
ABER: Wie bereits im zuvor genannten Punkt gilt auch hier – am Ende profitiere ich von meinem Aufwand durch die Ernte eines qualitativ hochwertigen Produktes. Ich kann selber steuern WAS ich esse. Nämlich ein Lebensmittel OHNE jegliche chemische Zusatzbehandlung.

Ganzjähriges Angebot im Supermarkt
Richtig. Von Januar bis Dezember bekomme ich im örtlichen Supermarkt quasi alles. Von A wie Ananas bis Z wie Zucchini. Tatsächlich wird uns wird vorgegaukelt, dass es völlig natürlich ist, zu Weihnachten Melone im Haus zu haben. Zu Silvester die frische Ananas in der Bowle und bereits im Juli gibt’s Maronen. Leute, mal im Ernst – das KANN doch nicht stimmen! Wir reden von Umweltschutz und Co2-Fußabdruck. Wir häkeln uns unsere Abschmink-Pads selbst und lassen uns dann Erdbeeren aus Nicaragua (oder woher auch immer) einfliegen weil es zu Ostern unbedingt eine Erdbeer-Charlotte sein muss? Tomate-Mozzarella ist lecker, keine Frage. Aber brauche ich das im Winter? Ich sage: nein! Klaro bin auch ich froh dass wegen der Globalisierung mein Winterspeiseplan nicht nur aus Kohl, Kartoffeln und Steckrüben besteht. Aber mit ein bisschen Augenmaß an den Einkauf zu gehen ist doch nicht so schwer, oder? Übrigens: genau die Leute die zu Weihnachten frische Tomaten wollen sind dann auch die Kandidaten, die sich beschweren, dass die „Holland-Tomate“ einfach nach nichts schmeckt. Hach nee?!

Im Laden gibt es mehr Auswahl.
Tja, auf den ersten Blick erscheint das wohl so. Aber bei genauerem Hinsehen erkennt man den Irrtum: Masse hat nichts mit Vielfalt zu tun. Wusstet Ihr, dass es geschätzt knapp 11.000 (elftausend!) unterschiedliche Tomatensorten gibt? Die EU lässt davon 4000 Sorten für den Handel zu, doch wie viele Sorten finden man denn in den Supermärkten zu kaufen? 8? Vielleicht 10? Dasselbe gilt für Äpfel. Europaweit gibt es fast 20.000 (zwanzigtausend!) Sorten! Erdbeeren trumpfen mit mehr als 1000 Sorten auf und selbst bei der ollen Knolle, der Kartoffeln, kann man aus weltweit knapp 3000 Sorten auswählen. Wer behauptet an dieser Stelle noch, die Auswahl im Supermarkt sei riesig?

Ja, ein Garten macht Arbeit. Ja, er kostet Geld und ja, er verlangt viel Zeit und Aufmerksamkeit. Ja, ja und ja. Keine dieser Aussagen stimmt nicht. (Mein Bekannter wird an dieser Stelle mit dem hab-ich’s-doch-gesagt-Grinsen vor dem Bildschirm sitzen.) Und ich zucke mit den Schultern. Denn mein Gemüse/Obst

– ist völlig frei von Chemie
– produziert keinen weiteren Müll (Stichwort Bio-Gurke in Plastikfolie)
– ist absolut Klimaneutral (vom Garten in die Küche gehe ich zu Fuß)
– wird zum richtigen Reifezeitpunkt geerntet. Und das bedeutet VOLLER Geschmack
– ist super-Erntefrisch: vom Beet direkt in den Topf

Und wer einmal eine vollreife, frische Tomate auf einem frischen Butterbrot genossen hat, den Mund voller sommer-roter Himbeeren hatte oder im vorbei gehen eins-zwei-drei Kirschen schwuppdiwupp vernascht hat und mir dann noch sagt, dass es sich nicht lohnt eigenes Gemüse anzubauen – dem ist einfach nicht zu helfen.

In diesem Sinne: ich hab auch dieses Jahr wieder meine Hochbeete bepflanzt. Tomaten, Kürbisse, Zucchini, Kohlrabi, Salate, diverse Kräuter. Und ich freu mich wie Bolle das alles irgendwann ernten und essen zu dürfen. Und kein Nörgler dieser Welt schafft es, mir das madig zu machen!

Glücklich, mit den Händen voller Erde grüßt,
Euer Krümel

8 Antworten auf „Ein Plädoyer für den Gemüsegarten“

  1. Hallo meine Liebe,

    ich finde es einfach grandios, was bei Dir so alles wächst und die Hochbeete sehen fantastisch aus. Im Moment fehlt mir einfach noch die Zeit, mich um Gemüseanbau zu kümmern. Ich bin schon froh, wenn ich die Staudenbeete so einigermaßen in den Griff bekomme.

    Liebe Grüße
    Burgi

  2. Liebe Krümel,
    schön, wenn man so viel Platz im Garten hat, dass man Gemüse anbauen kann.
    Wir können es leider nicht, unser kleiner Stadtgarten lässt das nicht zu.
    Daher dann eben Supermarkt.
    Aber hätte ich mehr Platz, hätte ich bestimmt auch jede Menge Spaß am Gemüseanbau.
    Lieben Gruß
    Nicole

  3. Ich beneide Dich um Dein selbst angebautes Gemüse. Dein Hochbeet ist toll geworden. In unserem Garten wächst noch kein eigenes Gemüse. Wir haben zwar ein Hochbeet aufgestellt, Ich hatte allerdings noch keine Zeit es zu bepflanzen. Dafür haben wir auf der Terrasse Tomaten in Blumentöpfen, die wunderbar wachsen. Eigenes Gemüse schmeckt einfach um Klassen besser.

  4. Dein Plädoyer kann ich nur voll unterstreichen! Nichts geht über das eigene Gemüse. Ich überlege derzeit, wie und wo ich noch mehr unterbringen kann und was stattdessen Platz macht. Da Achim mir mit seinem tollen Wintergemüse einen Floh ins Ohr gesetzt hat, will ich unbedingt auch für den Winter vorsorgen. Da derzeit bis Ende Oktober noch meine Tomaten allen Platz im GWH einnehmen und auf den Beeten auch gerade nicht genügend frei ist, habe ich mir etwas ausgedacht. Ich werde Euroboxen nehmen, mit Vlies auslegen und bepflanzen. Wenn die Tomaten dann abgeerntet sind, trage ich die Kisten ins GWH und peppele dort mein Wintergemüse.
    Bio-Erde habe ich gestern schon erworben, nachher kaufe ich geeignete Boxen.
    Liebe Grüße
    Karen

  5. Und es schmeckt doch alles viiiiiiel besser, als das Gemüse aus dem Supermarkt. Ich war mega stolz, meiner Familie Kohlrabigemüse zu kochen, das ich selbst in meinem Minihochbeet angepflanzt habe.
    Ich habe zwar nicht viel Gemüse im Garten, aber mit dem Hochbeet macht es richtig Spaß!
    Viele Grüße von
    Margit

  6. Da schon mein Vater immer Obst und Gemüse im Garten hatte, kenne ich das gar nicht anders. Ich traue dem Gemüse im Supermarkt einfach nicht über den Weg, was den Einsatz der Chemiekeule betrifft. Vieles ist EU-Bio….das ist auch nur ein Kompromiss. Am liebsten kaufe ich dann in kleinen Hofläden, aus meiner Nähe. Ich bin schon total gespannt auf meine 20 Tomatensorten. Die ersten fangen gerade an, rot zu werden. Ich kann dir nur bestätigen….unbedingt eigenes Gemüse anbauen. Das geht sogar auf einem Balkon….
    LG Sigrun

  7. Lass Dich umarmen für dieses großartige Plädoyer voller Herzblut und Gefühl!!! Du bist absolut auf dem richtigen Weg!

    Der Egoismus und die Bequemlichkeit auf der einen Seite, und dieses immer mehr, immer öfter und zu jederzeit „Habenwollen“ auf der anderen Seite beschleunigt letztlich den Untergang unserer lieben Mutter Erde, so wir sie als Kinder noch kannten!!!
    Würden das endlich auch die Nörgler einsehen, wären wir ein großes Stück weiter!!!

    Man muss sich doch nur erinnern: zu meiner Kindheit gab es bunte Blumenwiesen all überall…Wir konnten Sträuße pflücken, ohne das Gefühl zu haben, etwas zu plündern, denn es war ausreichend da…Wir konnten mit einer riesigen Auswahl von unterschiedlichsten Blüten bunte Kränze winden, und so den Sommer willkommen heißen…Wir konnten direkt aus der Natur so manches naschen, oder kleine Pfeifkonzerte auf Grashalmen geben, ohne uns Gedanken machen zu müssen, was da wieder an Giften auf die Felder versprüht wurde, denn den Landwirten war die Gesundheit ihre Ackerböden damals regelrecht heilig…

    Wir konnten aus den Gärten und von den Obstwiesen unserer Großeltern, Familien und Freunden direkt von der Hand in den Mund genießen, denn auch hier wurden keinerlei Gifte eingesetzt, nur damit die Gartenwege „sauber“ und die Beete „unkrautfrei“ waren…

    All dies und noch so viel mehr durften wir erleben, während uns etliche Schmetterlinge umflatterten, und Bienchen und Co mit Gesumme von Blüte zu Blüte flogen, oder uns früh am Morgen die Lerche und spät am Abend die Nachtigall die herrlichsten Lieder sangen…

    Wir konnten noch das Frühlingserwachen am Ruf des Kuckucks erkennen, und wir durften aus glasklaren Bächen trinken und in sauberen Seen schwimmen gehen…Im Winter haben wir als Kinder auch vom Schnee „genascht“ oder an Eiszapfen geleckt…

    Unsere Kinder können und kennen all das fast nicht mehr…

    Wenn der Wahn nach immer höheren Gewinnen und der Egoismus des Einzelnen so weitergeht, werden wir diesen unseren Kindern und Kinderkindern eine Welt voller riesiger Problemfelder hinterlassen…Kann es das wirklich sein???

    Ich nenne das unverantwortlich!!!

    Dir alles Liebe und bleibe auf Deinem WEg!!!
    Heidi

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