Reise durch den Advent – Blogtürchen Nummer 11

Hallo ihr Lieben und Herzlich Willkommen hinter Türchen Nummer 11. Ich freue mich, dass ich teilnehmen darf an Nicoles wunderbarer Aktion.

Tja. Das lief nicht wie geplant. Als Nicole zu der Aktion aufrief, waren die Finger schneller als das Hirn und ich war angemeldet bevor ich auch nur den Hauch einer Idee hatte. „Gut, irgendwas fällt mir schon ein“, beruhigte ich mich. Als mich jedoch am Sonntag mein Handy daran erinnerte, dass ich heute „liefern“ muss, lief es mir kalt den Rücken runter: ich hatte nichts vorzuweisen. Die Plätzchen die ich backen wollte, habe ich nicht gemacht. Das, was ich basteln wollte – habe ich zwar gebastelt, aber keine Fotos von gemacht. Mit anderen Worten: ich saß komplett auf dem Trockenen.

Und wie ich da so vor dem leeren Bildschirm saß, hatte ich eine Idee:
Ab und zu schreibe ich. Kurzgeschichte, auch mal was Längeres. Aber immer nur für mich. Niemand hat bisher etwas von mir gelesen. Doch das ändert sich jetzt und ich schenke Euch heute für die Adventszeit eine weihnachtliche Kurzgeschichte, von mir selbst verfasst.

Morgen geht es weiter mit Nicole von Shabbylinas Welt und wer den Beitrag von gestern nochmal lesen möchte findet ihn hier. Und nun viel Spaß beim Lesen.

Eine Rose für das Christuskind

Lena saß vor dem Fenster, das Kinn auf die Hände gestützt und starrte missmutig hinaus. Heute war der elfte Dezember und draußen strahlte die Sonne hell und kräftig von einem wolkenlosen, blauen Himmel. Lena seufzte. In dreizehn Tagen war Weihnachten und draußen war alles grün. Dabei sollte es frostig und kalt sein und es sollten mindestens 3 Meter Schnee liegen. Naja – zur Not würde sie sich auch mit ein paar wenigen Zentimetern zufrieden geben. Hauptsache überhaupt Schnee. Doch daran war leider überhaupt nicht zu denken.

Lena seufzte erneut. Ihre Mutter kam ins Wohnzimmer. „Was ziehst Du denn für ein Gesicht Lena?“, fragte sie und strich ihrer Tochter den Pony aus der Stirn. „Mama, meinst Du, wenn ich auf alle Geschenke verzichte und auf meinen Wunschzettel nur ‚Schnee‘ schreibe – glaubst Du, das Christkind erfüllt mir meinen Wunsch?“, fragt Lena und blickte ihre Mutter sehnsüchtig an. Lenas Mutter ging vor ihrer Tochter in die Hocke. „Ach mein Schatz. Sieh mal, ich glaube nicht, dass das Christkind für solche Wünsche zuständig ist. Das Wetter macht doch der Petrus und überhaupt ist es schon ein wenig spät für einen solchen Weihnachtswunsch, meinst Du nicht?“ Und dann nahm sie die traurig blickende Lena in den Arm und drückte sie. „Aber ich gebe den Wunsch gerne weiter. Und wer weiß? Vielleicht hast Du ja Glück.“ Sie wuschelte Lena liebevoll durch das Haar. „Und? Kommst Du noch mit raus in den Garten? Du könntest mir ein wenig zur Hand gehen.“

Im Garten gab es einiges zu tun. Es wurde Unkraut gejätet, verwelktes abgeschnitten, Gräser zusammen gebunden und Tannengrün in den Beeten verteilt. Als letztes kamen die Rosen an die Reihe. Verdorrtes wurde abgeschnitten und um den Stamm herum ein kleiner Erdhügel aufgeschüttet. Auf einmal stutzte Lena. „Mama, guck mal! Hier ist eine Knospe!“, rief sie aufgeregt. Die Mutter eilte herbei. „Tatsächlich. Das ist ja merkwürdig. Lass uns mal gucken ob wir noch mehr finden.“ Doch so sehr sie auch suchten, es blieb bei dieser einen Knospe.

Nach einem langen und anstrengenden Tag, war Lena rechtschaffen müde. Doch bevor sie einschlafen konnte, krabbelte sie nochmal aus dem Bett und kniete davor nieder. Sie verschränkte die Finger ineinander und schloss die Augen: „Bitte liebes Christkind – ich wünsche mir nur eine einzige Sache von Dir zu Heilig Abend: ganz, ganz, ganz viel Schnee. Vielen Dank, Deine Lena.“

Der Dezember schritt voran. Und auch wenn die Tage merklich kühler, sogar richtig kalt wurden – Schnee war immer noch nicht in Sicht. Jeden Nachmittag war Lena im Garten und besuchte die kleine Rosenknospe, die im Laufe der Tage immer größer und immer dicker wurde. Und jeden Abend sprach sie ihren kleinen Wunsch an das Christkind bevor sie einschlief.

Zwei Tage vor Weihnachten, am 4. Advent zog sich die Familie zu Beginn der Dämmerung dick an und besuchte den kleinen Weihnachtsmarkt im Ort. Für die Erwachsenen gab es Glühwein und Lena bekam einen Punsch. Sie standen um einem Feuerkorb herum und es wurde gelacht und getratscht. Zumindest ihre Eltern lachten und tratschten. Für Lena hingegen war es ziemlich langweilig. Plötzlich hörte sie leise Musik. Sie sah zu ihren Eltern. Die schienen die Musik nicht wahrzunehmen. Lena blickte sich um. Da hinten – von dort kam die Musik. Sie lief los. In der hintersten Ecke des Weihnachtsmarktes war eine kleine Hütte aufgebaut. Vor der der Hütte standen im Lichterschein große Holzfiguren: ein paar Schäfer standen dort und ein kleiner Zaun hielt zwei Schafe und einen Esel davon ab, wegzulaufen. In der von einem großen Stern hell erleuchteten Hütte standen Maria und Josef und in der Mitte, auf einem dicken Bett aus Stroh, lag das Christuskind. Leise Gitarrenmusik schwebte durch die Luft und vom Band lief „Ihr Kinderlein kommet“.

Prüfend sah sich Lena das Christuskind an. Irgendwie wirkte es traurig. Als ob etwas fehlen würde. Lange stand Lena da und betrachtete die Holzfigur. Bis ihre Mama ihr die Hand auf die Schultern legen. „Ach, hier bist Du. Wir haben Dich schon gesucht. Komm, wir wollen heim.“ Wiederstrebend ließ sich Lena an der Hand wegführen. Dabei behielt sie das Christuskind solange im Auge wie sie nur konnte.

Zuhause angekommen ging Lena sehr nachdenklich schlafen. Und wie immer vor dem zu Bett gehen, kniete sie nieder. Doch ihr geäußerter Wunsch war dieses Mal ein anderer.

Am nächsten Tag wusste Lena was zu tun war. Gleich nach dem Frühstück zog sie sich dick an und lief zu ihrer Mutter. „Mama, zieh dich bitte an. Wir müssen unbedingt nochmal auf den Weihnachtsmarkt.“ Und als ihre Mutter erstaunt die Augenbrauen hochzog ergänzte sie ernsthaft: „Ich habe dort etwas Wichtiges vergessen!“ Ihre Mutter schüttelte zwar den Kopf, doch dann zuckte sie mit den Schultern und zog sich an. „Warte, ich komme gleich!“, rief Lena und sauste los.

Der Weihnachtsmarkt war schon gut besucht und Lena schob und drückte sich energisch bis zu der kleinen Hütte mit der Krippenszene. Sie blieben vor dem Zaun stehen. „Weißt Du Mama. Ich habe mir zwei Wochen lang immer nur Schnee gewünscht. Nur für mich. Aber das Christuskind sieht so traurig aus, findest Du nicht? Wahrscheinlich weil sich die Leute immer nur für sich selbst etwas wünschen. Und deswegen habe ich mir gestern nichts für mich gewünscht.“ Lenas Mutter hatte einen dicken Kloß im Hals wie sie ihre Tochter so ernsthaft reden hörte. Sie ging in die Hocke. „Und was hast Du Dir gewünscht, mein Schatz?“, fragte sie. Lena blickte auf die kleine Holzfigur. „Dass es glücklich sein kann“ flüsterte sie. Dann öffnete sie ihren Anorak und zog die mittlerweile voll erblühte Roseknospe hervor, die sie vorher aus dem Garten gepflückt hatte. Sie kletterte über den Zaun und legte sie zu dem Christuskind mit in die Wiege.

24.12. Heilig Abend.
Als Lena in der Früh erwachte, saß ihre Mutter mit geheimnisvollem Blick bei ihr am Bett. „Guck mal aus dem Fenster“, sagte sie und lächelte. Lena sprang aus dem Bett, zog die Vorhänge zur Seite und jauchzte laut auf – im Garten glitzerte der Schnee.

Euch allen eine schöne Adventszeit wünscht
Krümel

16 Antworten auf „Reise durch den Advent – Blogtürchen Nummer 11“

  1. Was für eine wunderschöne Geschichte liebe Krümel, die geht zu Herzen. Danke, dass Du Deine Erzählung mit uns teilst.
    Ja, nicht immer nur an sich denken, auch für die anderen da sein, ich glaube, das wird im Alltag sehr oft vergessen. Denn Glück ist doch das Einzige, das mehr wird, je öfter man es teilt….
    Danke, dass Du mitgereist bist und ich lasse liebe Grüße da,
    Nicole

  2. Liebe Krümel,
    was für eine schöne und nachdenklich stimmende Geschichte. Ja, wir sollten nicht nur an uns denken, nicht wahr?! Obwohl mein Kleiner & ich den Wunsch nach Schnee durchaus verstehen können..lach!
    Vielen Dank für das wunderbare Türchen Nr, 11.
    Eine fröhliche Weihnachtszeit wünscht, Nicole

  3. Liebes,
    oh wie schön, ich lieeeeebe Weihnachtsgeschichten. Dein ist zauberhaft. Danke für die schöne Zeit, die ich zwischen deinen Zeilen verbringen durfte!
    Hab auch du noch eine wundervolle Adventszeit und lass dich drücken
    Elisabeth

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